Wie der Datenhandschuh der Industrie hilft

Virtuelle Realität ist aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. VR-Brillen heben Computerspiele auf ein neues Level und ermöglichen Reisen in unbekannte Welten. In der Industrie hingegen sorgt vor allem der Datenhandschuh für einen Sprung nach vorn.

Wirklichkeit und virtuelle Welten verschmelzen immer mehr zu einer Einheit – dies gilt in der Freizeit ebenso wie in der Industrie. Ist von Virtual Reality, kurz VR, die Rede, geht es meist um Anwendungen aus der Spiele- und Unterhaltungsindustrie. VR-Brillen, manchmal auch Datenhelme genannt, sind die Eintrittskarte in vom Computer generierte 3-D-Welten. Dies können Spiele sein, aber auch „Reisen“ an beliebige Orte oder virtuelle Besichtigungen von Immobilien sind dank wirklichkeitsnaher 360-Grad-Projektionen möglich. Die dazu erforderlichen Technologie ist längst am Massenmarkt angekommen – große Player wie Samsung, Sony oder Microsoft haben erschwingliche VR-Brillen im Programm. Parallel dazu hat sich die Augmented Reality etabliert, eine erweiterte Realität auf Basis der realen Welt, die mit digitaler Technik um zusätzliche Informationen ergänzt wird. Welche Möglichkeiten VR- und AR-Anwendungen für die Industrie bieten, haben wir in unserem Blog bereits ausführlich erklärt.

 

Den Datenhandschuh gibt es schon seit 1983

Mindestens ebenso wichtig wie VR-Brillen sind Eingabegeräte, durch die Aktionen des Anwenders in der virtuellen Welt erst möglich werden. In der Gaming-Welt setzen viele Hersteller auf klassische Controller, die mit Bewegungssensoren ausgerüstet sind. Aus Sicht der Industrie steckt jedoch besonders viel Potenzial in einer eine Erfindung, die bereits 1983 – manche Quellen sprechen auch von 1977 – das Licht der Welt erblickte: Es geht um den Datenhandschuh. Dieser ermöglicht nicht nur Aktionen in virtuellen (Spiele-)Welten, sondern eignet sich auch für den Einsatz in der industriellen Produktion. Der Anwender stülpt sich den Handschuh über, dessen Sensoren die Bewegungen erfassen und an den Computer weitergeben. „Durch Bewegungen der Hand und Finger erfolgt eine Orientierung im virtuellen Raum. Die Anwendung geschieht meist in Kombination mit einem Datenhelm. Datenhandschuhe bieten heute neben der Funktion der Navigation und Orientierung durch den virtuellen Raum auch die Funktion des Ertastens und Erfühlen (Taktiles Feedback) eines Gegenstandes und die Erfahrbarkeit von Kraftrückkopplungen (Force Feedback) an“, erklären die Wikipedia Autoren. Im Umfeld der NASA gab es schon früh Anläufe, um mit Datenhandschuhen die virtuelle Realität zu erkunden. 1989 brachte Nintendo den “Power Glove”, auf den Markt, der 256 Positionen der Hand erkannte – es war der erste Versuch, die Idee des Datenhandschuhs für Computerspiele zu nutzen.


Nintendo Power Glove




Nintendo Power Glove für Das Nintendo Entertainment System (NES) aus dem Jahr 1983


Bis heute geht die Entwicklung der Datenhandschuhe voran. Jüngst stellte BeBop Sensors
aus Kalifornien den Forte Data Glovevor. Der Handschuh verfügt über zehn Sensoren und ist für ein breites Anwendungsfeld im privaten wie gewerblichen Bereich ausgelegt. Er gibt seinem Benutzer ein haptisches Feedback, die Anbindung an den Computer erfolgt über Bluetooth oder über USB bei einer Akkulaufzeit von 15 Stunden.

 

Virtuelle Realität und Datenhandschuhe helfen der Automobilindustrie

In der Industrie geht es darum, Prozesse zu vereinfachen und die Produktivität zu erhöhen. Seit 2016 nutzt die tschechische Volkswagen-Tochter Skoda Datenhandschuhe in der Fahrzeugproduktion. ProGlove heißt das Produkt eines Herstellers aus München, das den Automobilhersteller auf dem Weg in die „Industrie 4.0“ nach vorn bringen soll – also hin zu einer intelligenten und vernetzten Fertigung im Internet der Dinge (Internet of Things, IOT). Der Handschuh erkennt, ob der Mitarbeiter das richtige Produkt in der Hand hält und ob dieser die Arbeitsschritte den Vorgaben entsprechend ausführt. Der Vorgang des Scannens entfällt, stattdessen vereint eine natürliche Handbewegung mehrere Arbeitsschritte. Einen anderen Ansatz, die Vorteile der virtuellen Realität zu nutzen, verfolgt eine andere VW-Tochter: Audi simuliert in der CAVE die Montage von neuen Modellen lange bevor diese auf den Markt kommen. Die Abkürzung CAVE steht dabei für Cave Automatic Virtual Environment und meint einen Projektionsraum zur dreidimensionalen Visualisierung.

 

Datenhandschuhe und virtuelle Welten sind auch in der Luftfahrt nützlich

Auch Lufthansa Technik Logistik Services vertraut auf den Datenhandschuh. Das Tochterunternehmen von Lufthansa Technik nutzt das Internet der Dinge, um Betriebsabläufe effizienter zu gestalten und Mitarbeiter zu entlasten. Hierzu hat das Unternehmen im Rahmen seiner Digitalisierungsstrategie am Flughafen München ein Pilotprogramm für das Warehousing aufgelegt. Dieser Standort scheint dem Unternehmen wegen seines Wachstums und der Stationierung neuer Flugzeugmuster wie dem Airbus A350 besonders geeignet. „In ausgewählten Handlungsfeldern werden zurzeit digitale Assistenzsysteme, Lokalisierungstechnologien und fahrerlose Transportsysteme erprobt und eingeführt. Dabei arbeiten wir gezielt mit Start-ups zusammen. So führen wir aktuell beispielsweise den smarten Datenhandschuh von ProGlove und ein autonomes Flurförderzeug der Firma Agilox ein“, sagt Dr. Harald Kolbe, Leiter Digital Innovation bei LTLS. Die Digitalisierung soll später auch an anderen Standorten umgesetzt werden.


Der ProGlove





Der ProGlove erkennt ob der Nutzer das richtige Bauteil oder Produkt in der Hand - Source: ProGlove

 

Auch der europäische Luftfahrtkonzern Airbus nutzt die Vorteile von Datenhandschuhen. Am Standort Ottobrunn ist unserem Fotografen Wolfram Schroll das Foto für das ARTS-Kalenderblatt im Mai gelungen. In Hamburg betreibt der Flugzeugbauer eine riesige virtuelle Welt: 16 Projektoren und jede Menge Technik sind in der Lage, ganze Flugzeugkabinen zu simulieren.


Bei Siemens lernen Roboter durch Datenhandschuhe

Auch der europäische Luftfahrtkonzern Airbus nutzt die Vorteile von Datenhandschuhen. Am Standort Ottobrunn ist unserem Fotografen Wolfram Schroll das Foto für das ARTS-Kalenderblatt im Mai gelungen. Siemens entwickelt anpassungsfähige Roboter, die sich in das Konzept von Industrie 4.0 einfügen. Federführend ist ein Forscherteam in China im Rahmen des von Siemens Corporate Technology durchgeführten Projekts „Autonomous Systems Revolution“. Ziel ist es, Roboter zu erschaffen, die Menschen bei der Arbeit unterstützen. Dafür entwickeln die Forscher einen Datenhandschuh, der die Bewegungen menschlicher Hände erfassen und so komplexe Befehle an Roboter weitergeben kann. Mit solchen Datenhandschuhen lassen sich auch Handgriffe aufzeichnen, um neue Mitarbeiter anzulernen.

ARTS verlost eine Virtual-Reality-Brille mit Headset & Game-Controller

VR Glasses - @Pearl

Schreiben Sie uns bis zum 31. Mai 2018 mit dem Betreff: "Verlosung ARTS" eine E-Mail mit Ihrem Namen und Adresse an marketing@arts.aero.

Die Auslosung erfolgt in der darauf folgenden Woche und wir werden Sie per Mail über Ihren Gewinn informieren.

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Wir wünschen Ihnen viel Glück!



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