Paris Air Show: Technik, Business und Emotionen

Erstmals präsentierte sich ARTS als Aussteller auf der Paris Air Show in Le Bourget. Die 52. Auflage der Messe war die ideale Plattform, um bestehende Kontakte zu pflegen und neue zu knüpfen. Projekte, an denen ARTS beteiligt ist, waren am Boden und im Flug zu sehen. Zeit für einen ganz persönlichen Messerückblick.

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 © Patrick Holland-Moritz

9:30 Uhr. Le Bourget. Shuttlebusse spucken Menschenmassen aus. „Bienvenue – Welcome“ steht auf den Toren zur 52. Paris Air Show in weißen Lettern auf blauem Grund geschrieben. Davor: Lange Schlangen an der Sicherheitskontrolle, trotzdem ist die Stimmung unter den Besuchern entspannt. Niemand drängelt, keiner meckert.

Als freiberuflicher Autor und Fotograf bin ich heute im Auftrag von ARTS unterwegs – es ist die erste Paris Air Show für mich. Auch ARTS ist zum ersten Mal als Aussteller dabei. Beste Voraussetzungen also für eine spannende Zeit in Paris.


Business-Treff, Schauplatz für Innovationen und Airshow in einem

Melanie Wolf, B2B Marketing Managerin bei ARTS, erwartet mich im Eingangsbereich hinter den Sicherheitskontrollen. Gemeinsam gehen wir zu Halle 2A. Dort präsentiert sich ARTS am Gemeinschaftsstand des Verbands bavAIRia, einem Netzwerk bayerischer Unternehmen in der Luft- und Raumfahrt. In den klimatisierten Hallen lässt sich die sommerliche Hitze aushalten – doch wir möchten schnellstmöglich nach draußen, den Puls der Luftfahrt spüren und die Neuheiten in Augenschein nehmen.

Ich erlebe die Paris Air Show (französisch: Salon international de l’aéronautique et de l’espace) als Mix aus Business-Plattform und Event für Luftfahrt-Fans. In der ersten Wochenhälfte haben die Großen der Branche milliardenschwere Verträge über Flugzeugbestellungen unterzeichnet. Neuheiten werden gezeigt. Pressekonferenzen abgehalten. Die internationale Luftfahrt-Industrie demonstriert ihre Stärke. Nicht nur die Schwergewichte wie Airbus und Boeing sind dabei, auch Firmen wie ARTS sind wichtiger Bestandteil dieser Industrie.

Als ich in der zweiten Wochenhälfte angekommen bin, hat sich sich Atmosphäre merklich entspannt. Im Anschluss an die Fachbesuchertage steht das allgemeine Publikum im Mittelpunkt. Die Paris Air Show ist ein Erlebnis für Familien und Luftfahrt-Enthusiasten, gekrönt von einem hochkarätigen Flugprogramm.


Airbus A380 & Co: Luftfahrt zum Anfassen

Auf dem Freigelände parken Flugzeuge der Allgemeinen Luftfahrt neben Oldtimern und Warbirds. Zivile und militärische Fluggeräte sind zum Greifen nah. Die P-51D Mustang „Nooky Booky“ ist gekommen. Eine N3N (nein, die F-AZNF ist keine Boeing Stearman) parkt in der Nähe. Blickfang ist auch eine US-registrierte Beech 18, liebevoll auf Hochglanz poliert.

Hingucker ist einmal mehr der Airbus A380. Bis zu 575 Tonnen bringt der XXL-Airliner beim Start auf die Waage. Knapp 80 Meter liegen zwischen seinen Flügelspitzen. Mehr als 24 Meter ragt sein Leitwerk in die Höhe. Klar, die Zahlen sind bekannt, schließlich ist der A380 schon seit einem Jahrzehnt im Dienst. Steht man dann leibhaftig vor oder unter diesem Stück Technik, sind seine Dimensionen trotzdem immer wieder beeindruckend.

Neu sind die Winglets der Generation A380plus, einem Projekt, an dem auch ARTS mitgewirkt hat. Weniger induzierter Widerstand an den Flügelspitzen soll helfen, den Kerosinverbrauch zu reduzieren. Ebenfalls dabei: Der Airbus A321neo. Auch zu diesem Flugzeug haben die Ingenieure von ARTS ihren Teil beigetragen.


Der Airbus A380 war in der Flugshow auf der Paris Air Show 2017 zu sehen, auch der neue A380 plus wurde auf der Messe präsentiert.

Der Airbus A380 war in der Flugshow auf der Paris Air Show 2017 zu sehen, auch der neue A380 plus wurde auf der Messe präsentiert. - © Patrick Holland-Moritz


Raumfahrt auf der Paris Air Show

Für Raumfahrt-Fans ist auf der Paris Air Show ordentlich was geboten – es ist einer von mehreren Geschäftsbereichen, in denen ARTS aktiv ist. Auf dem Freigelände steht eine Ariane-5-Rakete als Dauer-Exponat. Publikumsmagnet ist vor allem der Mars Rover der ESA. Der Raumfahrtforschung dient auch der Zero-G-Jet von Novespace. In seinem ersten Leben war der Airbus A310 als deutsches Regierungsflugzeug „Konrad Adenauer“ unterwegs, heute fliegt er vorzugsweise Parabeln, um so in der Kabine für ein paar Sekunden Schwerelosigkeit zu erzeugen.

In einer der Hallen gewährt die OHB System AG einen Einblick in das europäische Satellitennavigationssystem Galileo – das Unternehmen steuert 22 Satelliten zu dem Programm bei. Vor Ort ist auch das Fraunhofer Institut als wichtiger Partner von ARTS in der Raumfahrt. Einen Einblick in das weit verzweigte Netzwerk der Fraunhofer-Allianz Space gewährt unser Blogartikel .

Zu unseren persönlichen Highlights der Pairs Air Show gehört der Auftritt von Alfred Worden. Kennen Sie nicht? Macht nichts, Melanie Wolf und ich kannten ihn auch nicht. Der Mann war im Sommer 1971 bei der Mondmission Apollo 15 dabei und hatte die vermutlich eher undankbare Aufgabe, im Raumschiff in der Mond-Umlaufbahn zu kreisen, während seine Kollegen auf der Oberfläche landen durften. Seine Worte sind ein spannender Exkurs in eine bewegte Ära der US-amerikanischen Raumfahrt.


Die Concorde als Umfeld für Innovationen in der Luftfahrt

Das Musée de l’air et de l’espace beherbergt ganzjährig zwei Exemplare der Concorde. Während der Messe versammeln sich unter dem Bauch der Überschalljets zahlreiche Innovationen. Aus der Slowakei beispielsweise kommt das Aeromobil, ein fliegendes Auto zum siebenstelligen Preis. Die Studie eines Fesselballons für Beobachtungsaufgaben stellte Airstar Aerospace aus Frankreich vor.

Wer möchte, kann in der Concorde-Halle mit VR-Brillen in virtuelle Welten eintauchen und so einen Hubschrauber steuern oder im Militärjet fliegen. Thales möchte durch Virtual-Reality-Erfahrungen als Astronaut potenzielle Bewerber auf sich aufmerksam machen.

Weitere Innovationen gibt es draußen auf dem Static Display. Dazu zählt der SureFly, ein Multicopter aus den USA. Sein Verbrennungsmotor dient als Generator für den Elektroantrieb. Der Hersteller Workhorse hat damit unter anderem Pendler im Visier, die dem Stau davonfliegen möchten.

Ausgesprochen ambitioniert erscheint das Projekt namens Eviation Alice aus Israel. Es geht um die Entwicklung eines Flugzeugs, das mit elektrischem Antrieb elf Insassen rund 1000 Kilometer weit befördern soll. Auf der Messe ist zwar „nur“ eine verkleinerte Drohne zu sehen, doch bereits Mitte 2018 soll das Original fliegen.

Der Airstar, ein Fesselballon, wurde auf der Paris Air Show präsentiert.

Der Airstar wird u.a. als stationäres Luftschiff genutzt. - © Melanie Wolf/ARTS

Die Besucher auf der Paris Air Show konnten mit VR-Brillen in virtuelle Welten abtauchen.

Ein Besucher mit VR-Brille testet auf der PAS das virtuelle Fliegen eines Helikopters. - © Patrick Holland-Moritz

Der Hybridhelikopter, SureFly, konnte auf der Paris Air Show genau betrachtet werden.

Der SureFly, ein Hybridhelikopter, wurde auf der Paris Air Show ausgestellt. - © Patrick Holland-Moritz

Flugprogramm: It’s Showtime


Die Patrouille des France zeigte ihre Künste im Formationsflug auf der Paris Air Show.

Die Piloten der Patrouille des France zeigten ihr Können auf der Paris Air Show. - © Patrick Holland-Moritz


Abseits des geschäftlichen Teils bietet die Paris Air Show immer wieder Gänsehautmomente. Einer davon ist der Auftritt der Patrouille des France – die Piloten zeigen Formationsflug in Vollendung. Mit farbigem Rauch zeichnen die betagten Alpha Jets die französische Nationalflagge an den Himmel.

Ebenfalls am Himmel über Paris zu sehen: Der A380 als Highlight im umfangreichen Airbus-Programm, Oldtimer wie die DC-3, Helikopter und militärische Jets. Augen zum Himmel, Kameras bereithalten und genießen!


Die 52. Paris Air Show in Zahlen: Mehr Aufträge, weniger Besucher

Die Bilanz der Veranstalter fällt gemischt aus. Aufträge im Gesamtwert von 150 Milliarden Euro wurden vereinbart – das ist ein neuer Rekord. Verträge über 934 Verkehrsflugzeuge im Wert von 115 Milliarden US-Dollar wurden bei Boeing, Airbus, Embraer und Bombardier unterzeichnet. „Boeing sackte mit angekündigten Bestellungen und Kaufabsichtserklärungen über 571 Flugzeuge mit einem Listenpreis-Wert von über 74 Milliarden US-Dollar den Großteil der Bestellungen ein. Allein für die auf der Messe gelaunchte Boeing 737 MAX 10 unterschrieben die Kunden 371 Kaufverträge beziehungsweise Kaufverpflichtungen“, meldet das Luftfahrtportal aerobuzz.de .

Ein Minus gab es bei den Besucherzahlen: 322.000 Besucher kamen, acht Prozent weniger als 2015. Davon waren 142.000 Fachbesucher und 180.000 allgemeine Gäste. Als Ursache vermuten die Veranstalter die Hitzewelle und die strengen Sicherheitsvorkehrungen.

140 zivile und militärische Flugzeuge landeten auf dem Flughafen Le Bourget, darunter viele Premieren. Folgende Muster waren zum ersten Mal in Paris zu sehen.

  • Airbus A350-1000

  • Airbus A321neo

  • An-132D

  • Boeing 737 MAX 9

  • Boeing 787-10

  • Elixir

  • Embraer KC-390

  • Kawasaki P-1

  • Lockheed Martin F-35A Lightning II

  • Lockheed Martin LM-100J

  • Leonardo M-346FA

  • Mitsubishi MRJ

  • Diamond Aircraft DART-450

  • Daher TBM 910

Die 53. International Paris Air Show wird vom 17. bis zum 23. Juni 2019 über die Bühne gehen. Auch ARTS wird dann wieder dabei sein.